Welche Rechte Ferialpraktikanten haben

Was steuer- und sozialrechtliche zu beachten ist

Zwischen klassischer Ferialarbeit und Pflichtpraktikum gibt es erhebliche rechtliche Unterschiede

Für viele Oberstufen-Schüler bedeuten die Sommerferien nicht nur Erholung. Sobald ein Jugendlicher 15 Jahre alt geworden ist und die Schulpflicht beendet hat, darf er einen Ferialjob ausüben. Dabei muss unterschieden werden, ob es sich um eine Ferialarbeit oder ein Praktikum handelt:

Ist die Arbeit freiwillig, um sich in den Sommermonaten etwas dazuzuverdienen, so handelt es sich um Ferialarbeit. In diesem Fall gilt man als normaler Dienstnehmer im arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Sinn – mit allen Rechten und Pflichten. Während dieses befristeten Dienstverhältnisses ist der Jugendliche zur persönlichen Arbeitsleistung verpflichtet, seinem Chef weisungsgebunden und muss sich organisatorisch in den Betrieb eingliedern. Dafür hat der Jugendliche Anspruch auf kollektivvertragliche Entlohnung sowie auf Sonderzahlungen, Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankenstand. Bei einem Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze (derzeit 446,81 Euro monatlich) wird man kranken-, unfall-, pensions- und arbeitslosenversichert. Wird dieser Betrag nicht überschritten, ist er nur unfallversichert. Um die Anmeldung zur Sozialversicherung muss sich der Dienstgeber kümmern.

Steht hingegen beim Sommerjob die Ausbildung im Vordergrund und ist sie im Rahmen einer Ausbildung vorgeschrieben, dann handelt es sich um ein Praktikum. Arbeitsrechtliche Ansprüche auf Entgelt, Urlaub bestehen dann nicht. Derartige Pflichtpraktikanten unterliegen aber für die Dauer ihrer Tätigkeit automatisch der Schülerunfallversicherung. Erhält man vom Arbeitgeber ein freiwilliges „Taschengeld“, gilt man als Dienstnehmer. Wie beim Ferialarbeiter gilt dann die 446,81 Euro Geringfügigkeitsgrenze mit den oben beschriebenen Sozialversicherungsvorgaben.

Volontäre schauen in der Regel anderen über die Schulter, um deren Arbeit kennenzulernen, haben selbst keinerlei Arbeitspflicht und auch keinen Anspruch auf Entgelt. Sie sind unfallversichert.

Einkommensteuerrechtlich werden die meisten Praktikanten und Ferialarbeiter unter die 11.000 Jahresgrenze fallen, unter der alle Einkommen steuerfrei sind. Da die Personalabteilungen in den Firmen in der Regel aber trotzdem anteilig für eine fiktive Volljahresbeschäftigung die Lohnsteuer abziehen, bekommt man im nächsten Jahr im Rahmen der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung die gesamte Steuer und Teile der Sozialversicherungsbeiträge in Form von einer Negativsteuer zurück. Demnach können 50% der SV-Beiträge bis max. € 400 (€ 500 mit Pendlerpauschale) vom Finanzamt vergütet werden.

Was haben die 15- und 16-jährigen Geschwister, Maximilian und Julia aus Bischofshofen dieses Jahr zu beachten, wenn sie ihre ersten Schnupper-Berufserfahrungen machen? Maximilian wird für sechs Wochen als Ferialarbeiter im Liebherr-Werk vor Ort arbeiten und dort zumindest nach dem Kollektivvertrag entlohnt. Er wird dort nach den Anweisungen seines Vorgesetzten seine Arbeit wie alle seine Kollegen erledigen. Als Minderjähriger gelten für ihn natürlich ein Nachtarbeitsverbot und Einschränkungen bei Überstunden. Die Lohnsteuer und Teile der Sozialversicherung bekommt er nächstes Jahr automatisch mitteln automatischer Arbeitnehmerveranlagung vom Finanzamt zurückerstattet.

Julia besucht die Höhere Lehranstalt für Tourismus in Bad Hofgastein und muss im Sommer ein achtwöchiges Pflichtpraktikum in einem Gastronomiebetrieb ablegen. Dafür bekommt sie ein monatliches „Taschengeld“ von 446,81 Euro. Sie wird nur unfallversichert. Zum Glück hat ihr Vater ihr als Bonus angeboten, ihr für diese Zeit den monatlichen Beitrag von 63,07 Euro – Studierende zahlen 59,57 Euro – für die Selbstversicherung in die Kranken- und Pensionsversicherung zu spendieren. Auch wenn Julia, die nach der Schule noch weiterstudieren will, das heute ziemlich egal sein mag, erspart sie sich damit in der Zukunft das sehr kostspielige Nachkaufen von Pensionsmonaten.

Autor

Dr. Felix Müller
felix.mueller@bdo.at

Jonasch-Platzer Wirtschaftsprüfungs-
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